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Die Anfänge des Oldenburger Frauenringes

von unserem Gründungsmitglied Elfriede Hartung(aus dem Heft zum 50. Jubiläum)

Elfriede HartungDie ersten zaghaften Anfänge einer neuen Frauenbewegung in Oldenburg nach dem 2. Weltkrieg fallen in den Sommer 1946. Wer diese Zeit erlebt hat, weiß, welche Notzeit es war: Elend überall, alle Menschen entkräftet, abgema­gert, mutlos oder verbittert. Hunger und Kälte, Stromsperren, Ausgangssper­ren.
Wohnen? Für viele war es nur ein Hausen. Die Frauen begehren auf, wohin haben uns die Männer geführt mit Krieg, Kampf und Vernichtung! Können wir es besser machen? Wir müssen das Leben erhalten.
So denken viele Frauen in vielen Städten in Deutschland, ebenso in Oldenburg...

Als erste ist Margarete Gramberg zu nennen, eine alte, eingeschworene Demokratin, Stadtratsmitglied schon vor 1933, aber mundtot gemacht worden. Jetzt ist sie Mitbegründerin der neuen FDP und ist als erste Frau im Herbst 1946 im Stadtrat vertreten. Sie ist Stadtratsmitglied geblieben bis zu ihrem Tode im Jahre 1968.
Die zweite Frau ist Liselotte Wilhelm. Sie hatte einen Teil ihrer Erziehung in den USA genossen. Von da brachte sie die Gedanken der Frau­enarbeit zu uns und hatte auf Grund ihrer amerikanisch-englischen Sprachkenntnisse einen guten Kontakt zur damaligen Besatzungsmacht.
Die dritte ist Elisabeth Junack, geflüchtet aus Kolberg.

Gramberg Wilhelm Junack

Frau Gramberg spricht bei den Frauenvereinen, die auch nach 1933 ihr Leben fristeten, wie z. B. die caritativen Verbände, über die Notwendigkeit, dass Frauen sich politisch einsetzen müssten. Frau Junack spricht Leute auf der Straße an: „Wir Frauen sollten versuchen zu bessern”. Als neues Mitglied der FDP stoße ich(Elfriede Hartung) nun als vierte zu diesen drei Frauen. Wir treffen uns hier und da, immer die Frage im Kopf: Was können wir tun, wie, wo müssen wir anfangen?

Inzwischen hatten sich die Quäker in Oldenburg niedergelassen. Wir wissen von ihren Speisungen an die Schulkinder, von der Verteilung von Care-Paketen aus den USA, von ihrer Arbeit in den Flüchtlingslagern, bei den DPs (displaced persons).
In einem dieser DB-Lager arbeitet Marga Hilbers, selbst Flüchtling aus Ostpreußen, nach Oldenburg gekommen, weil sie mit einem Oldenburger verheiratet ist. Frau Hilbers wird Schreibkraft bei den Quäkern in deren Haus und Büro am Theaterwall Nr. 45.
Und damit geben die Quäker uns vier Frauen ein Heim und dazu alles, was für uns wichtig und nötig ist: Papier und Bleistift, Wärme und Licht und Rat - und obendrein den hochgeschätzten englischen Tee!
Die Quäker sehen in uns so etwas wie das kommende Gegenstück zur gewesenen NSDAP-Frauenschaft. Sie unterstützen unsere regelmäßigen Zusammenkünfte - wir dürfen planen!

[...]Im Heim der Quäker gesellte sich nun bald zu uns Frieda Rudolph, Flüchtling aus Oberschlesien. Sie verlor nach kurzem Aufenthalt in Oldenburg Mann und Sohn. So war sie glücklich, in unserem Kreis mitarbeiten zu können. Und als sechste meldete sich Erna Gosselaar. Als Lehrkraft fand sie keine Anstellung in ihrem Beruf, sondern arbeitete in der Stadtverwaltung. Dann meldete sich Else Doemelt, Sekretärin hei der Landwirtschaftskammer. Sie sollte uns später sehr nützlich werden bei der Vervielfältigung unserer Einladungen. Und etwas später gesellte sich Charlotte Korte zu uns, damals Studienrätin, Mutter von fünf Kindern - immer einsatzbereit und außerordentlich stark interessiert am politischen Geschehen und allen Fragen der Frauenbewegung. Und als Letzte stößt zu uns Eva Mücke, die in der Sozialarbeit tätig war.

RudolphKorteMuecke

Vom 21. bis 23. Mai 1947 fand in Bad Boll die erste internationale Frauenkonferenz nach dem Kriege statt. Wir waren glücklich, dass wir Frau Junack nach dort entsenden konnten.